Nach Abschluss des vorklinischen Studienabschnitts anfangs Juli 1976 schloss ich mich zwei Studienkollegen an, die vorhatten, den Sommerurlaub in Griechenland zu verbringen, doch diese Pläne fielen in letzter Sekunde ins Wasser. Somit sah ich langweiligen Wochen entgegen. Da rief mich ein Freund, ebenfalls ein Medizinstudent, an: „Wolfi, ich habe vernommen, dass ihr nicht in den Süden reisen könnt. Wenn du nichts anderes vorhast, dann fahre mit mir in zwei Wochen mit dem Zug nach Schottland und anschließend nach London, die Tickets für zwei Personen habe ich schon besorgt, jedoch liegt der, mit dem ich eigentlich reisen wollte, seit gestern im Spital. Zwei Wochen Schottland und anschließend acht Tage London, wo wir bei einem Bekannten billig nächtigen können - das ist doch was?“ „Eigentlich wollte ich in den Süden, Sonne, Strand und Meer genießen, nicht in den kühlen, regnerischen Norden.“ „Überleg dir´s, denk daran, auch am Lanser See wird es irgendwann einmal stinklangweilig. Gib mir spätestens übermorgen Bescheid, ob du mitkommen willst oder nicht.“ Ich rief ihn noch am selben Tag an und sagte ihm zu. Das sollte dann der erste von vielen Urlauben in England (exakt ausgedrückt: im United Kingdom) werden. In meiner Ordination dekorierte ich die weißen Wände mit vergrößerten Fotografien und Direktabzügen von Dias, die ich in England aufgenommen hatte. Meinen Patienten gefielen sie durchwegs, und wenn jemand eine von meinen Assistentinnen dazu befragte, bekam er gelegentlich zur Antwort: „Ja, ein bisschen England-narrisch ist er schon, unser Herr Doktor.“ Die „Praxismädeln“ verstanden mich erst, als ich mich mit ihnen und meiner Familie anlässlich meines 60. Geburtstages eine Woche lang in Devon im Südwesten Englands aufhielt. Obwohl diese Tage schon mehr als zehn Jahre zurückliegen, schwärmen sie, wenn wir uns wieder einmal treffen, immer noch von der gemeinsam verbrachten Zeit in England. Warum? Vielleicht ergibt sich die Antwort aus den nachfolgenden Fotos.